Johann Bossard: Bronzeschale

um 1908/1910, Bronze, Höhe: 24 cm, Breite: 29 cm, Tiefe: 29 cm, Wohndiele

Johann Bossard schafft um 1908/1910 eine Bronzeschale, deren Standfuß nackte Kinder darstellen. Sie halten eine Art Tuch hoch, das eine Schale bildet. Die kindlichen Figuren gehen in stilisierte, an pflanzlich-organisch erinnernde Formen im unteren Bereich des Standfußes und der Schale über. Die Körper und vor allem die Gesichter der Kinder sind stark reduziert, was neben stilistischen Überlegungen auch der Funktion des Objektes zugeschrieben werden kann. Ein Gebrauchsabrieb in der Schale weist darauf hin, dass das Ehepaar Bossard die Bronzeschale im Alltag verwendet hat. Sie haben die Schale vermutlich mit Obst oder Blumen gefüllt, sodass die Kindergesichter vom Inhalt verdeckt gewesen sind und eine feinere Ausarbeitung nicht nötig gewesen ist.

Als Objekt der „angewandten Kunst“ oder des Kunsthandwerks dient die Bronzeschale einem praktischen Verwendungszweck und wurde nicht allein um ihrer selbst willen zur Zierde, d.h. als Schaustück, geschaffen. Sie ist  ein künstlerisch gestalteter Gebrauchsgegenstand, der für den alltäglichen Gebrauch geschaffen worden ist. Die Bronzeschale weist mit den skulptural gearbeiteten Kinderfiguren aber auch Elemente einer Kleinplastik auf. So verwischt Bossard die Grenze zwischen Kunsthandwerk und „freier“ Kunst.

Johann Bossard nähert sich mit der Bronzeschale stilistisch der Formensprache des Jugendstils an. Der Grund dafür ist in der Anstellung des Künstlers 1907 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg zu suchen. Im selben Jahr begannen dort die Wiener Sezessionisten Richard Luksch (1872–1936) und Carl Otto Czeschka (1878–1960) zu lehren. Der Kontakt zu Vertretern des Jugendstils aus Österreich veranlasste Johann Bossard, sich in der Zeit von 1908 bis 1911 verstärkt mit diesem auseinanderzusetzten. Im Jugendstil wurden im Gegensatz zum Historismus mit seinen stilistischen Rückgriffen neue Stilformen und Ornamente entwickelt, vor allem florale Elemente und dynamische Liniengebilde. Der Jugendstil erfasste das gesamte kulturelle Lebensumfeld und fand verstärkt auch im Kunsthandwerk seinen Ausdruck.

Die Bronzeschale steht zur Zeit auf dem Einbauschrank in der Diele des Wohn- und Atelierhauses. Sie ist nur eines der vielen Werke des Künstlerehepaars, das im Rahmen einer Führung durch die Privaträume entdeckt werden kann. In diesem Jahr sind die Privaträume nur noch bis Ende Oktober zugänglich. Plätze für eine Besichtigung (Mi–Sa 14 Uhr) oder für eine vertiefte Führung (So 14 Uhr) können telefonisch (04183/51 12) oder per Email (info@bossard.de) reserviert werden.

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