Johann Bossard: Jutta Bossard, 6.1.1945, Bleistift auf Papier, Inv.-Nr.: 1248/1249

Johann Bossard: Jutta Bossard, 1945

1945, Bleistift auf Papier, Inv.-Nr. 1248, 1249

 

Das Jahr 1945 war prägend für die Deutsche Geschichte. Die Nationalsozialsten verloren ihre Macht, der Zweite Weltkrieg wurde beendet und das Deutsche Reich wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Wie viele andere Künstler versuchte Johann Bossard, die schlimmen Geschehnisse in seiner Kunst zu verarbeiten. Besonders nennenswert sind hier die so genannten Kreise, zwölf umfangreiche malerische und zeichnerische Zyklen, die er zwischen 1944 und 1949 schuf.

Auch fertigte Johann Bossard im Januar 1945 zwei Zeichnungen seiner Frau an. Sie zeigen Jutta Bossard angespannt und zermürbt. Die Bossards lebten an ihrer Kunststätte in unmittelbarer Nähe zu Hamburg, das stark von Bombenangriffen betroffen war. Manche Flugzeuge warfen ihre Bomben vor dem Rückflug im Umland ab, auch in Jesteburg. Jutta Bossard schrieb darüber 1942 an den gemeinsamen Freund Emil Hegg: „Der Krieg streckt seine Finger hin & wieder auch mal zu uns, wenn die Städte zu gute Abwehr haben, so fällt die Last dann auch mal auf´s Land, wenn auch zum Glück selten ein Treffer dabei ist. So ein Luftkrieg ist ein dramatisches Schauspiel. [Meine Schwester] Wilma & ich hatten zuerst schrecklich Herzklopfen, doch man gewöhnt sich daran.“ Bossard selbst lebte bis 1944 sogar noch in Hamburg und musste miterleben, wie seine Wohnung und damit auch viele seiner Werke komplett zerstört wurden.

Auf dem ersten Bild ist Jutta Bossard frontal dargestellt. Sie schaut den Betrachter direkt an, wirkt wie erstarrt und zeigt keinerlei Gesichtsregung. Falten lassen sie zusätzlich älter scheinen. Das dunkle Oberteil und die Verschattung der linken Gesichtshälfte verstärken den düsteren Eindruck.

Auf dem zweiten Bild hält Jutta Bossard ihren Kopf schräg und ist auch nicht frontal dem Betrachter zugeneigt. Dadurch wirkt das Bild etwas lockerer und auch Jutta Bossard wirkt zufriedener. Ihre Anspannung ist nicht mehr so stark zu sehen. Es scheint, als ob sie ein leichtes Lächeln auf den Lippen hat.

Unterstützt wird die triste Stimmung der Bilder dadurch, dass Johann Bossard die Zeichnungen nur mit Bleistift, ohne Verwendung von jeglicher Farbe, angefertigt hat. Zusätzlich hat er einen schwarzen Hintergrund um die Köpfe gesetzt. Jutta Bossard selbst trägt schwarze Kleidung. Außerdem hat sie Schatten im Gesicht die die Bilder nochmal verdunkeln.

Johann Bossard hat sich bewusst dafür entschieden, das Porträt seiner Frau nicht zu idealisieren, sondern auch die psychischen Auswirkungen des Kriegserlebnisses zu zeigen. 1944 schrieb er Emil Hegg dazu: „Es ist nicht zu bestreiten, dass man, indem man notgedrungen härter wird, auch für viel[e] schönere Gefühle verhärtet . Bedauerlich, aber biologisch begreiflich“.

Fotos: Peter Backens, Hamburg