Max Ernst: Helmuth Wohlthat als Offizier

Max Ernst: Helmuth Wohlthat als Offizier, 1916, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

1916, Öl auf Leinwand, Maße unbekannt, 1943 in Berlin zerstört

Als junger Mann im Jahr 1912 lebte Helmuth Christian Heinrich Wohlthat (1893–1982) für kurze Zeit im Haus seines Onkels Max Lucke (1866–1927), wo er sich auf sein Abiturexamen vorbereitete. Der wohlhabende Holzhändler Lucke war der erste Bossard-Förderer im Berlin des Wilhelminischen Kaiserreichs. Der Künstler verkehrte öfters in dessen Haus und machte dort Bekanntschaft mit Wohlthat, der nach dem Ersten Weltkrieg einer seiner größten Förderer werden sollte.

Der junge Wohlthat absolvierte 1914 sein Offiziersexamen und diente im Ersten Weltkrieg in den Feldzügen in Frankreich, Belgien und Russland. Während einer einjährigen Stationierung auf der Hochebene von Nouvron nordwestlich von Soissons diente er als Regimentsadjutant des Stabes des Feldartillerie-Regiments Nr. 23. Hier lernte er den unter ihm dienenden, später bedeutenden Dadaisten und Surrealisten, den Künstler Max Ernst (1891–1976), kennen.  Max Ernst porträtierte Leutnant Wohlthat 1916 im expressionistischen Stil in Frontalansicht, in Uniform und mit Eisernem Kreuz dekoriert. Die Komposition wird durch einen vertikalen und drei horizontale Linienverläufe strukturiert. Die einzelnen Bereiche sind durch dunkle und helle Partien voneinander abgesetzt und unterteilen Gesicht und Hintergrund in eine Licht und eine Schattenseite. Die Farbgebung ist nicht bekannt.

1922 besuchte Wohlthat eine Max Ernst-Ausstellung in der Düsseldorfer Galerie von Johanna Ey. Im selben Jahr kam es auch zu erneutem Kontakt zwischen Wohlthat und Bossard. In einem regen Briefverkehr tauschten sie sich über Bossards Werk, Kunst, Kultur und Politik aus. Nach und nach kaufte der im kaufmännischen Bereich tätige Wohlthat grafische Blätter, Gemälde, Kleinplastiken sowie kunsthandwerkliche Arbeiten von Bossard, mit denen er und seine Ehefrau ihre Wohnung in Düsseldorf – später Berlin – gestalteten. Er suchte bei wohlhabenden und einflussreichen Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Militär und Politik Unterstützung für Bossards Utopie einer kulturellen Erneuerung Deutschlands, die in einem Gesamtkunstwerk erste Formen annehmen sollte. Er leistete mit seinem Freund Theo Offergeld die finanzielle Unterstützung, die 1926 den Baubeginn des Kunsttempels ermöglichte.

Im Zweiten Weltkrieg fiel 1943 das Wohnhaus der Wohlthats am Lückow Ufer dem Bombenhagel auf Berlin zum Opfer. Die Werke Johann Bossards und auch das Porträt von Max Ernst wurden zerstört. Helmuth Wohlthat hielt sich damals bereits in Japan auf, wo er ab April 1941 eine Wirtschaftsdelegation leitete.

Die kommende Sonderausstellung „Über dem Abgrund des Nichts“. Die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus wird auch die Förderer Bossards in den Blick nehmen. In einem Aufsatz im begleitenden Ausstellungskatalog wird die Bedeutung der Förderer für Bossards Gesamtkunstwerk ebenso untersucht wie ihre (teilweise) Nähe zum nationalsozialistischen Regime.