Pforte zum ehemaligen Steingarten, Ende der 1930er

historische Fotografien, o.J., Archiv der Kunststätte Bossard

Helena Frahm posiert lächelnd vor der Pforte zum ehemaligen Steingarten. Die junge Frau heiratete 1939 Franz Hötterges, der von 1932 bis 1936 an der Kunststätte Bossard lebte und arbeitete. Er studierte im Anschluss an der Hansischen Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Im Archiv der Kunststätte befindet sich eine ganze Fotoreihe, in der sie in der Gartenanlage in Szene gesetzt ist.

Die historischen Fotografien belegen, dass der Steingarten spätestens in den 1930er Jahren angelegt worden sein muss – vielleicht mit Hilfe von Franz Hötterges und Helene Frahm. Schriftlich taucht er erstmals am 27. Juni 1940 auf, als Bossard mit dem Datum seinem Schweizer Freund Emil Hegg ein Edelweiß schickt, „wie wir es in unserem Steingarten in der Heide ziehen. Diese Alpen im kleinen [sic] machen uns dauernd Freude.“

Heute erinnern nur noch die Eingangspforte und der leicht terrassierte Boden an die ehemalige Form des Steingartens, denn dieser wurde aufgrund der aufwendigen Pflege schon zu Lebzeiten Bossards wieder aufgegeben. Ein befestigter Weg führt vorbei an dem nach Südwesten ausgerichteten Garten, der sich auf einem sanften Abhang befand. Steingärten charakterisieren sowohl die Setzung von Steinen, die mögliche Verwendung von Stein- oder Kiesschotter als auch eine Nachbildung der alpinen Landschaft mithilfe der typischen Pflanzen und Blumen. Der Steingarten an der Kunststätte ist durch eine terrassiert angelegte Steinsetzung gestaltet, die Wege und Pflanzungen voneinander gestalterisch abgrenzten. Die Pforte, die heute noch zu besichtigen ist, bilden gemauerte Backsteinpfeiler, die sich ästhetisch in die übrige Architektur der Kunststätte eingliedern. Der verwendete rote Backstein findet sich auch am Wohn-und Atelierhaus, dem Klostergarten, dem Kunsttempel und den Sockeln der Skulpturenreihe. Zwei einander zugewandte Köpfe aus rotem unglasiertem Ton mit schmalen Wangen und spitzem Kinn bekrönen die Porte. Ihre abgerundete Rückseite evoziert den Beginn eines Torbogens. Die beiden Tonköpfe schmücken heute vermutlich die Eingangspforte zum Klostergarten.

Bossard verwendete Steinsetzungen nicht nur im Steingarten, sondern auch zu Gestaltung weiterer Elemente in der Gartenanlage. So findet man sie am Steinkreis und der aus grob behauenen Steinen und Fichten gebildeten Monolithenallee, die heute als Grabstätte der Bossards dient. In diesen Fällen verweist Bossard mit den Steinsetzungen aber auf ihren Ursprung in den Megalithanlagen des Altertums, ein Begriff, der für Steingräben bzw. Setzungen, denen kultische oder Begräbnisfunktionen früherer Kulturen zugesprochen werden, verwendet wird .

Der älteste Steingarten Europas wurde 1773 in London im Chelsea Physic Garden angelegt. Diese Ziergartenform erfreute sich vor allem in England Ende des 19. Jahrhunderts große Beliebtheit. Der Steingarten war der einzige Ziergarten innerhalb der Gartenanlage, die neben den künstlerischen Elementen zahlreiche Nutzflächen wie Ackerfläche, Gemüsegarten und Obst- und Blumengarten prägen. Die einzelnen Gartenelemente setzte Bossard additiv nebeneinander und ein System befestigter Wege gibt es nicht. Mit dem alpinen Charakter des Steingartens hat Bossard als gebürtiger Schweizer vermutlich auch versucht, ein Stück seine Heimat in die Heide zu holen.