Johann Bossard, Die drei Gesichter meiner Frau, 1932

Bei dem Gemälde „Die drei Gesichter meiner Frau“ handelt es sich um ein dreifaches Portrait Jutta Bossards, das ihr Mann Johann im Jahr 1932 anfertigte. Zentral im Bildvordergrund ist eine Frau in einem blauen Kleid, mit kurzen blond gelockten Haaren zu erkennen. Sie steht mit dem Rücken zum Betrachter und hat den Kopf zur linken Seite gewendet, als würde sie in einen Spiegel sehen, so dass der Betrachter ihr Gesicht nur im Profil erkennen kann. Links neben ihrem Gesicht, erkennt man dieses ein zweites Mal, etwas größer und in helleren Farben. Dieses Gesicht blickt den Betrachter direkt an. Links davon erkennt man ihr Gesicht ein drittes Mal ganz in grün-braun Tönen gemalt. Es erinnert an eine Bronzeplastik. Nach unten hin geht das dritte Gesicht in drei abstrakt-geometrische, in ähnlichen Farbtönen gemalte Figuren über. Die oberste dieser Figuren hat ihr Gesicht in ihrem Schoss vergraben, die Hand der zentralen Frauenfigur ruht auf ihrem Rücken. Darunter befinden sich zwei weitere Figuren, die die obere zu stützen scheinen. In der rechten Bildhälfte erkennt man das Gesicht einer weiteren abstrakt-geometrischen Figur, diesmal in bräunlich-rötlichen Farbtönen. Der Hintergrund des gesamten Gemäldes besteht aus abstrakt-linearen Flächen. Wie dem Namen des Gemäldes zu entnehmen ist, stellte Johann Bossard hier Jutta Bossard als junge Frau dar. Das Gemälde entstand nur 6 Jahre nach ihrer Heirat im Jahr 1926. Es scheint, als habe Johann Bossard hier versucht, seine Frau in verschiedenen Stimmungslagen bzw. mit mehreren Facetten ihres Wesens abzubilden. So erkennt man in der Mitte des Gemäldes Jutta als Ganzkörperbildnis mit einem neutral-ernsten Gesichtsausdruck, daneben wie in einem Spiegel ihre helle, fröhliche Seite und ganz links die melancholische Seite, jeweils unterstrichen durch eine entsprechende Farbgebung. Das Gemälde kann aber auch als Darstellung von Jutta Bossard als Künstlerin gedeutet werden. Die stehende Figur ist die Bildhauerin, die in den Spiegel schaut und ein plastisches Selbstportrait anfertigt. Auffällig ist bei diesem wie bei vielen anderen von Johann Bossards Gemälden seine einzigartige Malweise, eine Mischung aus Expressionismus und Pointilismus mit teils symbolistischen Anklängen.