Mappe „Decorative Malereien von Johann Bossard“

Fotos: Iris Brandes, Brandes-Design, Buchholz

 

Im Mai 1899 wurde Johann Bossard zunächst als Student an der Königlichen akademischen Hochschule für bildendende Künste in Berlin aufgenommen. Im selben Jahr wechselte er dann aber in die Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbe-Museums. Hier besuchte er die Fachklasse für figürliche Malerei bei Professor Max Seliger. In dieser Zeit entstand eine Sammelmappe mit dekorativer Malerei, die später, 1901, im Verlag von Bruno Weßling in Berlin veröffentlicht wurde.

 

Sammelmappen zur dekorativen Malerei waren um die Jahrhundertwende weit verbreitet. Sie sollten an Kunstgwerbeschulen eingesetzt werden oder den Architekten, Bauplastikern sowie Malern und Dekorateuren als Vorlage für die künstlerische Gestaltung dienen. In der Kunstgewerbeschule des Berliner Museums war die dekorative Malerei seit 1896 ein Unterrichtsfach.

 

 

Das Mappenwerk Bossards, das den Anfang des druckgrafischen Schaffens des Künstlers bildet, beinhaltet 14 Blätter mit Entwürfen und „Ideen zur Schmückung und farbigen Ausgestaltung der Fläche“ sowie ein Titelblatt, ein Vorwort von Aemil Fendler und einen einführenden Text von Johann Bossard zu den einzelnen Bildtafeln.

 

In seinem Begleittext erklärte der junge Künstler, dass es das Ziel sei, mit den Entwürfen nicht nur reines Dekor zu schaffen, sondern „zur Einkleidung des Wohnhauses auch wieder Künstlergeist und Gemüt statt blos formal-architektonische Motive zu verwenden, auf daß unser Haus auch wieder ein Charakter sei und nicht nur eine verschnörkelte Nummer.“ Die stilistische Ausarbeitung der Mappe weist Bezüge zu Neoklassizismus und Jugendstil auf und enthält auch symbolistisch verrätselte Bildinhalte. Die hier dargestellten Themen wie Feldarbeit und Ernte, Liebe und Familienglück, die vier Lebensalter und die vier Elemente sowie die Götterdämmerung tauchen im Œuvre des Künstlers immer wieder auf. Bossard verwendete eine dekorative Formensprache, die stets dezidiert idealisiert war und im Sinne der Kunstgewerbebewegung auch als geschmacksbildend aufgefasst werden konnte. Laut den Einführungen des Künstlers habe er versucht, „Fläche, wie sie sich dem Architekten, Dekorateur & Maler immer wieder bieten, in dem Sin[n]e künstlerisch zu beleben & zu füllen, dass der Beschauer davor empfinden soll, er stehe vor Flächen die den Zweck haben zu zieren, die Umgebung zu ergänzen & das Ganze mit aufbauen zu helfen“.

 

In den Folgejahren entwickelte Bossard eine Symbiose von Bild und Text. Als Höhepunkt kann das illustrierte Buch „Die Geschichte von einer Mutter“ nach Hans Christian Andersen gelten. In diesem Werk fertigte Bossard nicht nur die Illustrationen zum Text, sondern entwarf auch eine eigene, mit den Bildern harmonisch verschmelzende Schrift, die von Hand gezeichnet wurde. Wie die Kunstgewerbebewegung wollte auch die Buchkunstbewegung mit Qualität überzeugen und durch die gestalterische Übereinstimmung von Schrift und Bild einen Beitrag zur Geschmacksverbesserung leisten.
Barbara Djassemi

 

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