Johann Bossard: Exlibris Dr. Emil Hegg, 1909

Radierung, WVZ Lebelt 2015, C10, http://werkverzeichnis.bossard.de/heron-art/exlibris-dr-emil-hegg/

Der Schweizer Augenarzt und Dozent für Augenheilkunde Dr. Emil Hegg (1864-1954) wurde 1906 durch eine Ausstellung in Bern auf den gebürtigen Schweizer Johann Bossard aufmerksam. Im Februar 1907 nahm er ersten brieflichen Kontakt zum Künstler auf. Es entwickelte sich eine lebenslange, enge Freundschaft. Hegg wurde der wichtigste Förderer Bossards. Er vertrat den Künstler ähnlich einem Galeristen in der Schweiz, wenn auch nicht mit dem beruflich professionellen Hintergrund, sondern mit unermüdlichem privatem Engagement. Immer wieder vermittelte er ihm Käufer und unterstütze ihn bei der Heranziehung von Aufträgen, organisierte Ausstellungen, hielt Vorträge, verfasste Aufsätze und eine Gegenüberstellung Bossard mit Ferdinand Hodler sowie eine unveröffentlichte Monographie. Bis 1935 besuchte er den Künstler fast jährlich in der Heide und verfolgte mit Begeisterung den Ausbau des Gesamtkunstwerkes. In einem intensiven Briefwechsel tauschten sich die beiden Freunde bis zum Tod des Künstlers 1950 über die künstlerische Entwicklung Bossards, ihren Lebensalltag, sowie das Geschehen in Politik, Kultur und Gesellschaft aus.

Das Bücherzeichen wurde 1909 wohl als Geschenk für Emil Hegg von Max Müller, einem gemeinsamen Freund von Bossard und Hegg, beauftragt. Neben den ersten Probedrucken von zwei Platten fertigte Bossard eine weitere Entwurfszeichnung zu einem zweiten Bücherzeichen für Emil Hegg. Bossard erklärte, dass sich das erste Exlibris „nur für grosse Prachtwerke“ eignen würde, während das zweite Exlibris generell zur Ausstattung der Heggschen Bibliothek dienen sollte. Das zweite Exlibris kam möglicherweise nicht über den Entwurf hinaus. Auf dem Exlibris „für Prachtwerke“ wird ein muskulöser Jüngling mit geflügelten Füßen von einem Adler durch die Lüfte gezogen. Als Geschirr verwendet er ein Seil, das dem Adler durch den Schnabel geführt ist. Ein schmales Textfeld unter der Darstellung enthält den Namen des Besitzers und die Signatur des Künstlers. "JBOSSARD" steht rechts unten in Blockschrift partiell ligiert, darum 3 Punkte, in einer kartuschenartigen Rahmung.

Bossard entwarf Exlibris nur auf Wunsch von Auftraggebern. Seine kleinen druckgrafischen Blättchen enthalten äußerst dekorative und künstlerisch tiefgreifende Sinnbilder, Metaphern und Symbole, die die Persönlichkeit oder Profession des Besitzers wiedergeben sollten. Der Adler war bereits im Altertum ein Königs-, Götter-, Herrschafts- und Machtsymbol und gilt als König der Vögel. Mit ihm sind die Eigenschaften Kraft, Ausdauer, Leichtigkeit, Schnelligkeit, Freiheit und sein Flug in den Himmel verknüpft. Der junge, krafttrotzende Männerakt, der mit entschlossenen nach vorne gerichteten Blick ‘auf Adlerflügeln davonfliegt‘, versinnbildlicht einen geistigen Höhenflug, eine geistige Entwicklung Emil Heggs, die dieser mutig und entschlossen wie ein junger Mann wagt. Mit dem Exlibris würdigt Bossard den Wissensdurst und das Selbststudium seines Freundes über seinen medizinischen Fachbereich hinaus. Eine weitere Deutungsmöglichkeit ist, dass Bossard die Fördertätigkeit seines Freundes, die dem Künstler erst künstlerische ‚Höhenflüge‘ erlaubte, wertschätzen wollte.

 Zu Lebzeiten unterstützen drei Förderer Bossard maßgeblich bei der Realisierung des Gesamtkunstwerkes in der Heide. Auch heute werden der Erhalt und der Museumsbetrieb durch drei Träger gesichert: die Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Landkreis Harburg und die Gemeinde Jesteburg.

Einen Blick auf Bossards Exlibris und sein gesamtes druckgrafisches Schaffen können Sie im Online-Werkverzeichnis der Druckgrafiken werfen:

http://werkverzeichnis.bossard.de

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